Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Leitfaden zu effektiven und diskreten Beckenbodenübungen, die Sie bequem im Sitzen ausführen können. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Beckenboden stärken, typische Fehler vermeiden und die Übungen mühelos in Ihren Alltag integrieren, um Ihr Wohlbefinden und Ihre Gesundheit nachhaltig zu verbessern.
Beckenbodenübungen im Sitzen: Diskret und effektiv den Core stärken
- Beckenbodenübungen im Sitzen sind eine niedrigschwellige Methode zur Stärkung der Muskulatur, ideal für Frauen (nach Geburt, bei Inkontinenz), Männer (nach Prostata-OP), Büroangestellte, Senioren und Sportler.
- Die Übungen tragen zur Verbesserung der Haltung, Reduzierung von Rückenschmerzen, Vorbeugung von Inkontinenz und Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens bei.
- Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der korrekten Identifikation der Beckenbodenmuskulatur, der richtigen Atemtechnik und dem Vermeiden von Pressen oder dem Anspannen anderer Muskelgruppen.
- Tägliche, kurze Trainingseinheiten (z.B. 3 Sätze à 8-12 Wiederholungen) sind effektiver als seltene, lange Workouts und lassen sich leicht in den Alltag integrieren.
- Regelmäßiges Training kann die Symptome von Belastungsinkontinenz um bis zu 70% verbessern und führt zu spürbaren Fortschritten innerhalb weniger Wochen und Monate.
Mehr als nur ein Muskel: Was der Beckenboden leistet
Der Beckenboden ist weit mehr als nur ein „Blasenmuskel“, wie viele vielleicht denken. Aus meiner Sicht als Experte ist er ein zentrales Fundament unserer Körpermitte, vergleichbar mit der Basis eines Hauses. Er besteht aus mehreren Schichten von Muskeln und Bindegewebe, die wie eine Hängematte im unteren Becken liegen. Seine Hauptaufgaben sind vielfältig und entscheidend für unser tägliches Wohlbefinden: Er stützt unsere inneren Organe wie Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter, sorgt für die Kontinenz von Urin und Stuhl und spielt eine wichtige Rolle für unsere gesamte Rumpfstabilität. Ein starker Beckenboden trägt maßgeblich zu einer aufrechten Haltung und einem gesunden Rücken bei. Wenn wir ihn vernachlässigen, können sich Probleme im gesamten Körper bemerkbar machen.
Für wen sind Beckenbodenübungen im Sitzen besonders wichtig?
Die gute Nachricht ist, dass Beckenbodenübungen im Sitzen für fast jeden von Vorteil sein können. Ich sehe in meiner Praxis immer wieder, wie unterschiedlich die Bedürfnisse sind, aber die Effektivität dieser diskreten Übungen ist universell. Besonders wichtig sind sie für folgende Gruppen:
- Frauen: Insbesondere nach einer Schwangerschaft und Geburt sind diese Übungen essenziell für die Rückbildung. Sie helfen auch, Belastungsinkontinenz vorzubeugen oder zu behandeln und die Rumpfmuskulatur zu stärken.
- Männer: Oft nach Prostataoperationen empfohlen, um die Kontinenz wiederzuerlangen. Aber auch zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit können sie einen positiven Beitrag leisten.
- Büroangestellte und Personen mit sitzender Tätigkeit: Um Rücken- und Haltungsschäden vorzubeugen und die Tiefenmuskulatur unauffällig während des Arbeitstages zu aktivieren.
- Senioren: Zur allgemeinen Stärkung der Muskulatur und zur Verringerung des Risikos von Inkontinenz im Alter.
- Sportler: Ein starker Beckenboden verbessert die Rumpfstabilität (Core Strength), was sich positiv auf die Leistungsfähigkeit in vielen Sportarten auswirkt.
Die unsichtbaren Vorteile: Von besserer Haltung bis zu mehr Wohlbefinden
Die Vorteile eines kräftigen Beckenbodens sind oft unterschätzt, aber enorm. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sie weit über die reine Kontinenz hinausgehen. Ein gut trainierter Beckenboden führt zu einer verbesserten Haltung, da er eng mit der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur zusammenarbeitet. Das wiederum kann Rückenschmerzen reduzieren, die oft durch eine schwache Rumpfmuskulatur verursacht werden. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Vorbeugung und Linderung von Inkontinenz. Studien zeigen, dass regelmäßiges Beckenbodentraining die Symptome von Belastungsinkontinenz um bis zu 70% verbessern kann eine beeindruckende Zahl, wie ich finde. Nicht zu vergessen ist das sexuelle Wohlbefinden, das durch eine gestärkte Beckenbodenmuskulatur ebenfalls positiv beeinflusst werden kann. Insgesamt trägt ein starker Beckenboden zu einer besseren Rumpfstabilität und einem spürbar gesteigerten allgemeinen Wohlbefinden bei.

Den Beckenboden finden und aktivieren: So gelingt der erste Schritt
Schluss mit Raten: Eine simple Anleitung zum Ertasten der richtigen Muskeln
Der erste und oft schwierigste Schritt ist es, den Beckenboden überhaupt erst einmal bewusst wahrzunehmen und anzusteuern. Viele meiner Klienten tun sich hier anfangs schwer. Doch keine Sorge, es gibt simple Tricks, die Ihnen helfen:
- Setzen Sie sich aufrecht hin: Wählen Sie einen Stuhl, auf dem Sie gut sitzen können, die Füße flach auf dem Boden. Achten Sie darauf, dass Ihr Rücken gerade ist, aber nicht verkrampft.
- Konzentrieren Sie sich auf den Bereich zwischen Anus und Genitalien: Das ist Ihr Beckenboden.
- Stellen Sie sich vor, Sie müssten dringend auf Toilette: Versuchen Sie, den Harnstrahl anzuhalten und gleichzeitig den Stuhlgang zurückzuhalten. Spüren Sie, wie sich die Muskeln nach innen und oben ziehen? Das ist Ihr Beckenboden. (Wichtig: Dies dient nur der Identifikation, nicht als regelmäßige Übung!)
- Die "Blaubeeren-Methode": Eine meiner Lieblingsvisualisierungen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine kleine Blaubeere im Bereich zwischen Anus und Vagina/Hodensack liegen. Versuchen Sie nun, diese Blaubeere mit Ihren Beckenbodenmuskeln sanft nach innen und oben zu saugen, ohne dabei Gesäß oder Oberschenkel anzuspannen.
- Achten Sie auf die Entspannung: Genauso wichtig wie das Anspannen ist das bewusste Loslassen der Muskeln. Spüren Sie, wie die Blaubeere wieder sanft abgesetzt wird.
Es ist entscheidend, dass Sie dabei keine anderen Muskeln anspannen. Ihr Gesäß, Ihre Oberschenkel und Ihr Bauch sollten entspannt bleiben. Anfangs erfordert das etwas Übung und Konzentration, aber mit der Zeit werden Sie ein besseres Gefühl dafür entwickeln.
Die Kraft der Vorstellung: Visualisierungshilfen, die wirklich funktionieren
Da der Beckenboden ein "unsichtbarer" Muskel ist, sind Visualisierungshilfen unglaublich nützlich, um die richtige Anspannung zu finden und zu intensivieren. Ich ermutige meine Klienten immer, kreativ zu werden und Bilder zu nutzen, die für sie persönlich am besten funktionieren. Hier sind einige bewährte Methoden:
- Der "Reißverschluss": Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Reißverschluss, der vom Steißbein (hinten) über den Damm bis zum Schambein (vorne) verläuft. Beim Ausatmen ziehen Sie diesen Reißverschluss langsam und sanft nach oben zu. Beim Einatmen lassen Sie ihn wieder langsam nach unten gleiten.
- Der "Aufzug": Eine weitere effektive Methode ist die Vorstellung eines Aufzugs. Ihr Beckenboden ist der Aufzug, der langsam Etage für Etage nach oben fährt (Anspannung) und dann wieder sanft nach unten gleitet (Entspannung). Sie können versuchen, auf einer bestimmten Etage (Intensität) anzuhalten.
- Der "Sog": Manche Menschen finden es hilfreich, sich einen sanften Sog nach innen und oben vorzustellen, als würde man mit einem Strohhalm etwas Flüssigkeit ansaugen.
Diese mentalen Bilder helfen nicht nur, die richtigen Muskeln anzusteuern, sondern auch die Intensität und Dauer der Anspannung bewusster zu steuern.
Der häufigste Anfängerfehler: Bauch, Po und Oberschenkel entspannt lassen
Der wohl häufigste Fehler, den ich bei Anfängern beobachte, ist das unbewusste Anspannen von Gesäß-, Bauch- oder Oberschenkelmuskulatur. Das ist ganz natürlich, denn diese größeren Muskelgruppen sind leichter spürbar und wir neigen dazu, sie unwillkürlich zu Hilfe zu nehmen. Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Wenn Sie diese Muskeln anspannen, trainieren Sie nicht isoliert den Beckenboden. Die Folge ist, dass die eigentliche Zielmuskulatur nicht effektiv gestärkt wird und die Übungen ihre volle Wirkung verfehlen. Es ist absolut entscheidend, diese Bereiche entspannt zu halten. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Gefühl im Beckenbodenbereich. Wenn Sie merken, dass andere Muskeln mitarbeiten, lösen Sie die Anspannung, entspannen Sie sich kurz und versuchen Sie es noch einmal mit weniger Kraft, aber mehr Fokus auf die Isolation.

Die 5 effektivsten Beckenbodenübungen für Ihren (Büro-)Stuhl
Diese Übungen sind so konzipiert, dass Sie sie diskret und unauffällig im Sitzen ausführen können perfekt für den Büroalltag, unterwegs oder einfach zwischendurch zu Hause. Ich empfehle, jede Übung in 3 Sätzen à 8-12 Wiederholungen durchzuführen, es sei denn, es ist anders angegeben. Denken Sie daran: Qualität vor Quantität!Übung 1: Der "Lift" Sanftes Anheben und Senken für Einsteiger
- Setzen Sie sich aufrecht auf Ihren Stuhl, die Füße flach auf dem Boden. Atmen Sie tief ein.
- Beim Ausatmen spannen Sie den Beckenboden sanft an, als würden Sie eine Blaubeere nach innen und oben "liften". Halten Sie die Anspannung für 2-3 Sekunden.
- Beim Einatmen lassen Sie den Beckenboden langsam und bewusst wieder los, als würden Sie die Blaubeere sanft absetzen. Spüren Sie die vollständige Entspannung.
- Wiederholen Sie dies 8-12 Mal.
Diese Übung ist ideal, um ein Gefühl für die Beckenbodenmuskulatur zu entwickeln und die bewusste Kontrolle über Anspannung und Entspannung zu trainieren. Sie ist sehr sanft und daher perfekt für Einsteiger geeignet.
Übung 2: Schnelle Impulse Die "Blitz-Anspannung" für zwischendurch
- Setzen Sie sich bequem hin und atmen Sie entspannt.
- Spannen Sie den Beckenboden schnell und kräftig an, als würden Sie einen plötzlichen Niesreiz unterdrücken.
- Lassen Sie die Anspannung sofort wieder vollständig los.
- Wiederholen Sie diese schnellen Impulse 10-15 Mal hintereinander.
Diese Übung trainiert die Reaktionsfähigkeit und Schnellkraft der Beckenbodenmuskulatur. Sie ist hervorragend geeignet, um sie unbemerkt in den Alltag zu integrieren, beispielsweise beim Warten an der Kaffeemaschine oder im Stau.
Übung 3: Die "Welle" Koordination von Anspannung und Atmung
- Setzen Sie sich aufrecht hin und konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung.
- Atmen Sie tief ein und lassen Sie Ihren Bauch sich dabei sanft wölben.
- Beim langsamen Ausatmen spannen Sie den Beckenboden von hinten (Anusbereich) nach vorne (Harnröhrenbereich) wellenartig an, als würden Sie einen Reißverschluss schließen. Ziehen Sie die Anspannung dabei nach oben.
- Beim Einatmen lassen Sie die Anspannung von vorne nach hinten wieder los und entspannen den Beckenboden vollständig.
- Wiederholen Sie diese "Welle" 8-10 Mal.
Die "Welle" verbessert die Koordination zwischen Beckenboden und Atmung und trainiert die Fähigkeit, verschiedene Bereiche des Beckenbodens gezielt anzusteuern. Das ist ein fortgeschritteneres Gefühl, das sich mit der Zeit einstellt.
Übung 4: Langes Halten Kraftausdauer für maximale Stabilität
- Setzen Sie sich bequem hin. Atmen Sie tief ein und beim Ausatmen spannen Sie den Beckenboden sanft, aber bestimmt an.
- Halten Sie diese Anspannung für 5-10 Sekunden. Versuchen Sie, währenddessen ruhig weiterzuatmen und nicht die Luft anzuhalten.
- Lösen Sie die Anspannung langsam und vollständig beim Einatmen. Gönnen Sie sich eine kurze Entspannungspause.
- Wiederholen Sie dies 5-8 Mal.
Übung 5: Die isometrische Presse Mit den Händen den Widerstand erhöhen
- Setzen Sie sich aufrecht hin und legen Sie Ihre Hände auf die Außenseite Ihrer Knie.
- Atmen Sie ein. Beim Ausatmen spannen Sie Ihren Beckenboden an und drücken gleichzeitig Ihre Knie leicht nach außen gegen den Widerstand Ihrer Hände.
- Halten Sie diese leichte Spannung für 3-5 Sekunden. Spüren Sie, wie der Beckenboden dabei zusätzlich aktiviert wird.
- Beim Einatmen lösen Sie den Druck der Knie und entspannen den Beckenboden vollständig.
- Wiederholen Sie dies 8-12 Mal.
Diese isometrische Übung nutzt den Widerstand der Hände, um eine zusätzliche Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur zu erzeugen. Sie hilft, die Anspannung bewusster zu spüren und die Tiefenmuskulatur noch effektiver zu erreichen.
Die richtige Technik: Wie Sie typische Fehler vermeiden und den Erfolg maximieren
Auch bei den einfachsten Übungen kann man Fehler machen, die den Erfolg schmälern. Als Experte ist es mir wichtig, Ihnen nicht nur zu zeigen, was Sie tun sollen, sondern auch, wie Sie es richtig machen, um das Maximum aus Ihrem Training herauszuholen.
Das A und O: Warum die richtige Atmung entscheidend ist
Die Atmung wird beim Beckenbodentraining oft unterschätzt, dabei ist sie aus meiner Sicht absolut entscheidend. Die Faustregel lautet: Ausatmen bei Anspannung des Beckenbodens, Einatmen bei Entspannung. Warum ist das so wichtig? Wenn wir ausatmen, zieht sich unser Zwerchfell nach oben, wodurch der Druck im Bauchraum reduziert wird. Dies unterstützt die Beckenbodenmuskulatur dabei, sich nach innen und oben zu bewegen, anstatt nach unten gedrückt zu werden. Ein falsches Atmen, insbesondere das Pressen oder Luftanhalten, kann den Beckenboden sogar schwächen, da es den Druck auf ihn erhöht. Eine bewusste und ruhige Atmung hilft nicht nur, die Muskulatur effektiver zu trainieren, sondern stellt auch eine natürliche Verbindung zwischen Atem und Bewegung her, was die Körperwahrnehmung insgesamt verbessert.Weniger ist mehr: Warum Pressen und Verkrampfen kontraproduktiv sind
Ich sehe es immer wieder: Viele Menschen glauben, sie müssten maximale Kraft aufwenden, um den Beckenboden zu trainieren. Doch das Gegenteil ist der Fall! Zu starkes Pressen oder Verkrampfen ist kontraproduktiv. Es kann den Beckenboden überlasten, ihn schwächen und im schlimmsten Fall sogar zu einer Senkung beitragen. Denken Sie daran: Es geht nicht darum, wie stark Sie pressen können, sondern darum, wie gut Sie die Muskeln bewusst ansteuern, sanft anspannen und vor allem wieder vollständig entspannen können. Sanfte, bewusste Kontraktionen sind viel effektiver, weil sie die feinen Muskelfasern ansprechen und die Kontrolle sowie die Wahrnehmung verbessern. Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Schwamm sanft ausdrücken und wieder loslassen, anstatt ihn mit aller Macht zu zerquetschen.
Geduld zahlt sich aus: Wie Sie am Ball bleiben und realistische Ziele setzen
Beckenbodentraining ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ich kann Ihnen aus Erfahrung versichern: Ergebnisse brauchen Zeit. Es ist völlig normal, wenn Sie nicht sofort spürbare Veränderungen feststellen. Geduld und Kontinuität sind die Schlüssel zum Erfolg. Es ist viel effektiver, täglich kurze, aber regelmäßige Trainingseinheiten (wie die empfohlenen 3 Sätze à 8-12 Wiederholungen) durchzuführen, als einmal pro Woche eine lange, intensive Einheit, die Sie dann schnell wieder aufgeben. Setzen Sie sich realistische Erwartungen. Die ersten Fortschritte werden oft in einer verbesserten Wahrnehmung liegen, bevor Sie eine spürbare Steigerung der Kraft oder eine Linderung von Symptomen bemerken. Bleiben Sie dran, die Investition in Ihren Beckenboden zahlt sich langfristig aus!
Ihr Trainingsplan für den Alltag: So integrieren Sie die Übungen mühelos
Der größte Vorteil von Beckenbodenübungen im Sitzen ist ihre Flexibilität. Sie müssen keine spezielle Zeit freischaufeln oder ins Fitnessstudio gehen. Ich zeige Ihnen, wie Sie sie ganz einfach in Ihren Tagesablauf integrieren können.
Das "Büro-Workout": Diskrete Übungen während der Arbeit
Ihr Bürostuhl ist Ihr persönliches Trainingsgerät! Die Diskretion dieser Übungen macht sie perfekt für den Arbeitsplatz. Ich empfehle meinen Klienten immer, feste Triggerpunkte im Arbeitsalltag zu finden:
- Beim Telefonieren: Nutzen Sie die Zeit, während Sie sprechen oder zuhören, für ein paar "Lifts" oder "Blitz-Anspannungen".
- Warten auf den Kaffee/Drucker: Eine kurze Wartezeit ist ideal für 5-10 schnelle Impulse. Niemand wird es bemerken.
- Während Meetings: Wenn Sie gerade nicht aktiv sprechen, können Sie unauffällig ein paar lange Halteübungen durchführen.
- Beim Lesen von E-Mails: Zwischen zwei E-Mails oder während eines längeren Textes können Sie die "Welle" trainieren.
Der Schlüssel ist, diese Momente bewusst zu nutzen. Es sind oft nur wenige Sekunden, die sich aber über den Tag summiert zu einem effektiven Training addieren.
Unterwegs stark: Beckenbodentraining im Auto oder in der Bahn
Auch auf dem Weg zur Arbeit oder auf Reisen können Sie Ihren Beckenboden stärken. Ich habe selbst schon unzählige Kilometer im Auto oder in der Bahn für mein Training genutzt:
Im Auto können Sie an jeder roten Ampel oder im Stau ein paar Wiederholungen der "Blitz-Anspannung" oder des "Lifts" einlegen. Die Sitzposition ist hierfür ideal. In der Bahn oder im Bus können Sie ebenfalls die Zeit nutzen. Während Sie aus dem Fenster schauen oder ein Buch lesen, können Sie die "Welle" oder das "Lange Halten" praktizieren. Niemand wird etwas davon mitbekommen, und Sie nutzen die Zeit sinnvoll für Ihre Gesundheit. Es geht darum, die kleinen, ungenutzten Zeitfenster des Alltags zu identifizieren und zu füllen.
Routine schaffen: Wie Sie Ihr Training zur täglichen Gewohnheit machen
Um wirklich langfristig erfolgreich zu sein, ist es entscheidend, das Beckenbodentraining zu einer festen Gewohnheit zu machen. Aus meiner Erfahrung helfen dabei folgende Strategien:
- Feste Zeiten im Tagesablauf finden: Verknüpfen Sie das Training mit bestehenden Routinen. Zum Beispiel: "Jeden Morgen beim Zähneputzen mache ich 10 schnelle Impulse" oder "Immer wenn ich meinen ersten Kaffee trinke, mache ich einen Satz 'Lifts'".
- Sichtbare Erinnerungen schaffen: Ein kleiner Post-it am Bildschirm oder eine Notiz im Kalender kann Wunder wirken.
- Nutzung von Apps: Es gibt zahlreiche Apps, die Sie an Ihr Beckenbodentraining erinnern und sogar Anleitungen bieten. Das kann eine große Motivation sein.
- Kleine Erfolge feiern: Wenn Sie es geschafft haben, an einem Tag dreimal zu trainieren, klopfen Sie sich auf die Schulter! Jeder kleine Schritt zählt.
Denken Sie daran: Konsistenz ist wichtiger als Intensität. Lieber jeden Tag ein paar Minuten als einmal pro Woche eine Stunde, die Sie dann doch nicht durchhalten.
Wann werden Sie erste Ergebnisse spüren? Ein Ausblick auf Ihre Fortschritte
Es ist ganz natürlich, sich zu fragen, wann man die ersten Früchte seiner Arbeit ernten kann. Ich möchte Ihnen hier einen realistischen Ausblick geben, was Sie erwarten können, denn Geduld ist, wie gesagt, ein wichtiger Begleiter.
Die ersten Wochen: Gesteigerte Wahrnehmung und Kontrolle
In den ersten Wochen des regelmäßigen Trainings werden Sie wahrscheinlich noch keine drastischen körperlichen Veränderungen spüren. Der Fokus liegt hier vielmehr auf einer deutlich verbesserten Wahrnehmung Ihrer Beckenbodenmuskulatur. Sie werden lernen, die Muskeln gezielter anzusteuern und zu isolieren, ohne dass andere Muskelgruppen mitarbeiten. Das ist ein riesiger Erfolg! Diese gesteigerte Kontrolle ist die Grundlage für alle weiteren Fortschritte. Sie werden merken, dass es Ihnen leichter fällt, die Anspannung zu finden und bewusst zu halten oder zu lösen. Viele meiner Klienten berichten in dieser Phase von einem neuen Körpergefühl und einem besseren Verständnis für ihre Körpermitte.
Nach wenigen Monaten: Spürbare Verbesserungen und mehr Kraft
Nach einigen Monaten konsequenten Trainings, typischerweise 2-3 Monate, werden Sie dann die ersten wirklich spürbaren Verbesserungen feststellen. Die Muskulatur hat sich gekräftigt und die Nervenverbindungen sind optimiert. Konkrete Beispiele, die ich immer wieder höre, sind:
- Weniger Inkontinenzsymptome: Wenn Sie unter Belastungsinkontinenz litten, werden Sie bemerken, dass Husten, Niesen oder Lachen weniger oft zu ungewolltem Urinverlust führen.
- Eine verbesserte Haltung: Ihr Rumpf fühlt sich stabiler an, und Sie sitzen oder stehen aufrechter.
- Mehr Stabilität im Rumpf: Dies kann sich auch positiv auf andere sportliche Aktivitäten oder das Heben schwerer Gegenstände auswirken.
- Ein allgemeines Gefühl von mehr Kraft und Kontrolle: Sie fühlen sich in Ihrer Körpermitte einfach "fester" und sicherer.
Diese Fortschritte sind unglaublich motivierend und zeigen Ihnen, dass sich Ihre Beharrlichkeit auszahlt.
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Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist: Grenzen des Selbsttrainings
Obwohl das Selbsttraining im Sitzen sehr effektiv sein kann, gibt es Situationen, in denen ich dringend empfehle, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ihr Wohlbefinden steht an erster Stelle, und manchmal braucht es einfach einen Expertenblick. Das ist der Fall, wenn:
- Anhaltende Beschwerden oder Schmerzen auftreten: Wenn Sie trotz Training weiterhin Beschwerden haben, Schmerzen verspüren oder sich die Symptome sogar verschlimmern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.
- Unsicherheit bezüglich der korrekten Ausführung besteht: Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie die Muskeln richtig ansteuern oder die Übungen korrekt ausführen, kann ein Physiotherapeut mit Spezialisierung auf Beckenboden (oft als Beckenbodenphysiotherapie bezeichnet) Ihnen wertvolle Anleitung geben.
- Das Selbsttraining keine ausreichenden Erfolge zeigt: Wenn Sie über einen längeren Zeitraum trainieren und keine spürbaren Verbesserungen feststellen, ist es an der Zeit, eine professionelle Meinung einzuholen. Ein Gynäkologe, Urologe oder ein spezialisierter Physiotherapeut kann die Ursache abklären und einen individuellen Therapieplan erstellen.
Denken Sie daran, dass es keine Schande ist, Hilfe zu suchen. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein für Ihre eigene Gesundheit.
